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PubliCity – Constructing the Truth (Pressemeldung 1768 Zeichen)
Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Duisburg Im Rahmen der „29. Duisburger Akzente - Kulturfestival des Landes Nordrhein-Westfalen“ 29. April bis 21. Mai 2006
Unter dem Titel „PubliCity – Constructing the Truth” entwerfen neun Künstler und Kunstkollektive aus dem In- und Ausland temporäre, ortsbezogene Arbeiten für die Duisburger Innenstadt. Sie erkunden das ‚Wesen’ einer Stadt, die sich wie kaum eine andere Ruhrgebietsstadt gegenwärtig neu erfindet. Sie befindet sich im Schwebezustand zwischen alt und neu, zwischen arm und reich, zwischen Arbeits- und Freizeitgesellschaft.
In diesem Prozess der Neudefinition beschäftigt sich „PubliCity“ mit dem Entstehen von Öffentlichkeit, öffentlichen Meinungen und deren Wahrheit. Es schafft Öffentlichkeit durch seine lokale Verortung im Stadtraum, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und durch seine Präsenz in den Medien. Es geht davon aus, dass es sich bei Publicity nicht nur um ein effektives Täuschungsmanöver handelt, sondern um eine komplexe Interaktion zwischen unseren Vorstellungen, unseren Wünschen und Erwartungen und dem ständigen Versuch, ebendiese zu prognostizieren, zu beschreiben und zu befriedigen (freilich nicht ohne zugleich neue Erwartungen zu wecken).
„Der Zusatz ‚Constructing the Truth’, das Konstruieren von Wahrheit, beschreibt etwas“, so die Kuratorin Dr. Söke Dinkla, „das wir alle tagtäglich tun, ohne es zu bemerken. Wir überprüfen unser Umfeld auf Glaubwürdigkeit. Dabei sind wir eher bereit, unsere Vorannahmen zu bestätigen als sie zu revidieren. Die Künstler operieren in „PubliCity“ in diesem relativ engen Feld unserer mentalen Beweglichkeit; sie bringen unsere inneren Überzeugungen, und das, was wir als wahr erachten in Turbulenzen.“
Kontakt für die Medien Festivalbüro Duisburger Akzente, Königstraße 53, 47051 Duisburg Gerd Bracht, Öffentlichkeitsarbeit, gerd.bracht@duisburg-marketing.de Tel. +49 (0) 203 283 4908, Fax +49 (0) 203 283 2188 www.duisburger-akzente.de
PubliCity – Constructing the Truth (Pressemeldung, 4538 Zeichen) Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Duisburg Im Rahmen der „29. Duisburger Akzente - Kulturfestival des Landes Nordrhein-Westfalen“ 29. April bis 21. Mai 2006
Öffentlichkeit ist ein fragiles und komplexes Gebilde. Gerade in den letzten Jahren hat sich unser Verständnis von Öffentlichkeit verändert: Öffentlichkeit in der ursprünglichen etymologischen Bedeutung in Analogie zum französischen „publicité“ und dem englischen „publicity“ nimmt heute neue Formen an: Öffentlich ist für uns nicht nur alles das, was nicht privat ist (auch wenn es zu schwinden scheint) – der öffentliche Raum der Stadt, der allen zugänglich ist, und der Raum jenseits des Lokalen, der translokale Raum der öffentlichen Nachrichten und Meinungen. Seit kurzem überlagern sich diese Bereiche mit einer weiteren öffentlichen Sphäre, mit der Sphäre der globalen Kommunikation über mobile Kommunikationsgeräte und das World Wide Web. Eine zunehmende Durchdringung dieser Sphären des Öffentlichen führt dazu, dass Kommunikations- und Deutungsmuster aus allen diese Bereichen sich vermengen und gegenseitig in ihrer Wirksamkeit beeinflussen: Ohne es zu bemerken sind wir tagtäglich damit beschäftigt, Wahrheit zu konstruieren und uns zwischen unterschiedlichen Codes zurechtzufinden. Kontinuierlich überprüfen wir unser Umfeld auf Glaubwürdigkeit. Dabei sind immer größere Kompetenzen notwendig, um das Entschlüsseln der unterschiedlichen Zeichenebenen leisten zu können - um den Wahrheitsgehalt und die Authentizität von öffentlichen Orten, Nachrichten und Meinungen einschätzen zu können.
Das Kunstprojekt „PubliCity – Constructing the Truth“ beschäftigt sich mit dem Entstehen von Öffentlichkeit, öffentlichen Meinungen und deren Wahrheit. Es schafft Öffentlichkeit durch seine lokale Verortung im Stadtraum, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und durch seine Präsenz in den Medien. Es geht davon aus, dass es sich bei Publicity nicht nur um ein effektives Täuschungsmanöver handelt, sondern um eine komplexe Interaktion zwischen unseren Vorstellungen, unseren Wünschen und Erwartungen und dem ständigen Versuch, ebendiese zu prognostizieren, zu beschreiben und zu befriedigen (freilich nicht ohne zugleich neue Erwartungen zu wecken).
Der Begriff ‚Publicity’ steht für eine gezielt hergestellte, für eine inszenierte Öffentlichkeit. Erst durch Publicity wird eine Nachricht zu einer Nachricht, erst durch Publicity wird eine Person zu einer Person der öffentlichen Wahrnehmung. Eine effektive Publicity kreiert ein überzeugendes (Vorstellungs)Bild in der Öffentlichkeit, das sich durch höchstmögliche Glaubwürdigkeit auszeichnet und sich dennoch oft recht weit von dem wahren Ereignis oder der wirklichen Person entfernt.
Publicity ist aber längst nicht mehr nur eine der wichtigsten Marketingstrategien für Produkte oder Organisationen, sondern auch unsere Städte, ihre sozialen Funktionen und die Art und Weise, wie wir unsere Städte „benutzen“, folgen den Regeln der Publicity. Auch in der Stadt gibt es Orte, die als authentisch, als glaubwürdig, eingeschätzt werden und Orte, die nahezu unsichtbar bleiben.
Im Rahmen von „PubliCity“ haben sich die Künstler/Innen in Duisburg auf eine Spurensuche begeben, in einer Stadt, die sich in einer Art Schwebezustand befindet zwischen alt und neu, zwischen arm und reich, zwischen Arbeit- und Freizeitgesellschaft. Die Künstler erkunden das Wesen ‚Stadt’ und seine öffentliche Wahrnehmung. Sie entdecken authentische Orte, aber auch „Un-Orte“, die uns im Alltag kaum noch auffallen. Dabei geht ihre Arbeit immer wieder über den städtischen Raum als ihren Ort hinaus, in dem sie die Öffentlichkeit selbst zu ihrem Material macht. Es entstehen Werke und offene Versuchsanordnungen, die das, was wir als wahr empfinden in Turbulenzen bringen. Ihre Grundlage sind unsere Vorstellungen, unsere Wünsche und Hoffnungen, aber auch das, was wir als bedrohlich empfinden.
Viele der Arbeiten sind nicht nur fundamental ortspezifisch, sondern sie sind auch mit Beteiligung von lokalen Akteuren entstanden, wie z.B. die Arbeiten von Jochen Gerz, raumlabor_berlin, Danica Dakiæ, stadtraum.org sowie die Performances der Gruppe LIGNA und der Choreographen Martin Nachbar und Jochen Roller. So ist es eines der wichtigsten künstlerischen Mittel, die Menschen zur Mitwirkung zu bewegen und sie zu Mit-Autoren zu machen. Nur in dieser Rolle als Mit-Autor und Co-Produzent kann es ihnen gelingen, in der Unübersichtlichkeit von Codes und vielschichtigen Wahrheitsebenen Verantwortung zu übernehmen.
Kontakt für die Medien Festivalbüro Duisburger Akzente, Königstraße 53, 47051 Duisburg Gerd Bracht, Öffentlichkeitsarbeit, gerd.bracht@duisburg-marketing.de Tel. +49 (0) 203 283 4908, Fax +49 (0) 203 283 2188 www.duisburger-akzente.de
Die Künstler und ihre Arbeiten:
Jochen Gerz (Paris): „Tausch der Tabus“, Autorenprojekt an acht spirituellen Orten
Jochen Gerz (Paris): „Bilder einer Ausstellung“ Textarbeit auf LED Display
raumlabor_berlin (Berlin): „Küchenmonument“ mobiles Objekt zur temporären Aneignung öffentlicher Räume
Katarina Veldhues & Gottfried Schumacher (Trier): „Weltpresse“ Lichtprojektionen
Knowbotic Research/Peter Sandbichler (Zürich): „Sei bereit! Tiger!“ Aktion, Skulptur und Medienprojekt
Danica Dakiæ (Sarajewo/Düsseldorf): „Passing by“ interaktive Installation
Werner Reiterer (Wien): „Talk“ Installation
stadtraum.org (Düsseldorf): „Duisburg – City of Hope“ Aktion und Skulptur
Performances LIGNA (Hamburg) – „Übungen in abweichendem Glauben” partizipative Performance
Martin Nachbar & Jochen Roller (Berlin) - „Mnemonic Nonstop“ interaktive Stadterkundung
Alle Werke haben in Duisburg ihre Premiere.
Jochen Gerz, Paris
Schon 1976 stellt Jochen Gerz mit Joseph Beuys und Reiner Ruthenbeck im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig aus. Er nahm an den Ausstellungen der documenta 1977 und 1987 teil. Wenn man einen Künstler als „das Gewissen Deutschlands“ bezeichnen kann, dann am ehesten Jochen Gerz. In seinen Werken widmet er sich immer wieder existentiellen Fragen der deutschen Geschichte. So war er 1997 beteiligt an dem Wettbewerb des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin, zu dem er den Realisierungsvorschlag „Why did it happen?“ einreichte. Im selben Jahr hielt er seine viel beachtete Rede an die Jury des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
Jochen Gerz (geboren 1940 in Berlin) arbeitete als Schriftsteller im Bereich der Konkreten Poesie bevor er zu einem der wichtigsten zeitgenössischen Konzeptkünstler wurde. International bekannt wurde er mit seinen Text-Fotoarbeiten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine prominenten Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt, die er in der Regel mit anderen Beteiligten gemeinsam erarbeitete. Jochen Gerz bedient sich in seiner künstlerischen Arbeit aller Medien; es entstehen Installationen, Videos und Performances. Seit 1984 realisiert er seine „Anti-Monumente“, z. B. 2004 „The Future Monument“ und „The Public Bench“, zwei Arbeiten die sich auf die Geschichte Coventrys beziehen. In seinem Konzept des „Public Authorship“ - der öffentlichen Autorschaft - bezieht sich Jochen Gerz auf zentrale Fragestellungen der Demokratie. Er fragt sich, wie es heute gelingen kann, das Publikum zur Mitwirkung zu bewegen. Er schuf Werke für den öffentlichen Raum, die als „Anti-Monumente“ wirken: Mahnmale, die - wie z.B. sein Monument gegen den Faschismus in Hamburg - das Publikum zu Kommentaren auffordern und selbst nur zeitlich befristet existieren. Seit 1995 realisiert Gerz auch Arbeiten im Internet wie „Die Anthologie der Kunst“, die als work in progress im September 2001 begann und im Museum für Neue Kunst in Karlsruhe 2005 sowie in diesem Jahr, 2006, in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ausgestellt wurde.
Tausch der Tabus Autorenprojekt an acht spirituellen Orten An Orten des Glaubens und in den Medien hat Jochen Gerz sein Autorenprojekt „Tausch der Tabus“ angesiedelt. Gerz hat Vertretern von acht verschiedenen Glaubensrichtungen in Duisburg die folgende Frage gestellt: „Wie lässt sich der Gegenstand Ihrer Suche beschreiben?“ Die Antworten auf diese Frage werden anonym jeweils an dem Ort einer anderen Glaubensrichtung öffentlich ausgestellt. In Zusammenarbeit mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) wird der „Tausch der Tabus“ auf acht Zeitungsseiten vom 06. April bis 25. Mai zu einem großen Rate- und Gewinnspiel. In Kooperation mit der Tageszeitung TAZ NRW geht es in acht Interviews mit den Befragten aus „Tausch der Tabus“ um die gesellschaftlichen Grundlagen unseres Glaubens.
Liebfrauenkirche, Kreuzeskirche, Jüdisches Gemeindezentrum, Freimaurerloge, DITIB Begegnungsstätte, Kirche Jesu Christi der heiligen der letzten Tage, Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Freunde des westlichen buddhistischen Ordens Öffnungszeiten siehe letzte Seite Kurzführer
Bilder einer Ausstellung Textarbeit auf LED-Display Auf der elektronischen Anzeigentafel vor dem Duisburger Hauptbahnhof erscheinen in unregelmäßigen Abständen für wenige Sekunden zehn überraschende Gebote wie zum Beispiel: „Mach Dir von mir kein Bild“ oder „Erinnere dich nicht an mich“. Mit diesen kurz auftauchenden „Bildstörungen“ infiltriert Jochen Gerz die Botschaft der Werbung und konterkariert das, war wir im allgemeinen Kommunikation nennen.
LED-Display vor dem Hauptbahnhof, täglich 06.00 bis 24.00 Uhr
raumlabor_berlin (Matthias Rick und Jan Liesegang), Berlin
Bundesweit aufmerksam wurden die Medien auf die Arbeit von raumlabor_berlin mit dem Projekt „Fassadenrepublik“ bei dem die Besucher sich mit Schlauchbooten durch den mit Wasser gefluteten und mit einer labyrinthischen Fassadenstadt bebauten Palast der Republik in Berlin bewegten und anschließend selber Prozesse und Aussehen der „Fassadenrepublik“ gestalten konnten. raumlabor_berlin ist ein Kollektiv für Architektur und Städtebau und versteht sich als Wissens- und Ressourcenpool. Die Gruppe erarbeitet Projekte an den Schnittstellen von Städtebau, Landschaftsarchitektur, Gestaltung des öffentlichen Raumes und künstlerischen Installationen. Zwei Mitglieder von raumlabor_berlin sind die Architekten Matthias Rick und Jan Liesegang. Rick (geboren 1965 in Versmold/Westfalen) war bis 1998 Mitglied der Musik- und Performanceformation „Moorpaul“, gründete 1997 das „Institut für angewandte Baukunst“ und beendete sein Architekturstudium im Jahre 2001 an der Technischen Universität Berlin. Jan Liesegang (geboren 1968 in Köln) ist Gründungsmitglied von raumlabor_berlin, studierte Architektur in Berlin, Kopenhagen, New York und schloss ebenfalls an der TU ab. Für seine Diplomarbeit „Lebensgeschichten, Wohngeschichten, Versuch einer Wohnforschung“ erhielt er 1997 den Diplompreis.
Küchenmonument mobiles Objekt zur temporären Aneignung öffentlicher Räume Die aufblasbare Skulptur „Küchenmonument“ öffnet sich an verschiedenen Orten in Duisburg zu einem Raum. Für kurze Zeit entsteht damit ein kommunikativer Ort, an dem sich Anwohner und Besucher treffen, essen, sich kennen lernen und feiern. Eine Koproduktion mit der Stadt Mülheim und dem Ringlokschuppen.
29. April, 20.00 Uhr, Obermauerstraße/Höhe Kuhtor 30. April, 18.00 Uhr, Obermauerstraße/Höhe Kuhtor 07. Mai, 18.00 Uhr, Spielplatz Quergasse 14. Mai, 18.00 Uhr, Plessingstraße / Autobahnbrücke 19. bis 21. Mai, „Neue Ufer“, Ruhrufer in Mülheim an der Ruhr
Katarina Veldhues & Gottfried Schumacher, Trier
Einem breiten Publikum wurde das Künstlerduo Veldhues/Schumacher durch seine spektakuläre Lichtprojektion am Kölner Dom im Jahre 1998 bekannt. Bereits 1989 mit dem Oslo Stipendium des Edvard-Munch-Ateliers und dem Förderpreis des westfälischen Kunstvereins sowie 2000/2001 mit dem Stipendium der Cité internationale des Arts Paris ausgezeichnet, wird das Duo im kommenden Jahr mit dem „Projekt e“ eine Installation und Projektion im sakralen Raum im Beiprogramm der documenta 2007 zeigen. Die beiden ehemaligen Meisterschüler der staatlichen Kunstakademie Münster, Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher (beide Jahrgang 1956) realisieren seit 1994 gemeinsam ortsbezogene Lichtprojektionen. Die Arbeiten auf Architekturen öffentlicher Gebäude, auf Plätzen, in sozialen Randzonen, in Industriebrachen, in der offenen Landschaft, in Kirchenräumen sind komplexe Konfrontation mit dem Ort und seiner Umgebung. „Projektionen“ - auch im doppelten Sinn des Wortes - entstehen an scheinbar kunstfernen Standorten ebenso wie auf repräsentativen, in der Wahrnehmung oftmals „abgenutzten“ öffentlichen Bauwerken im urbanen Raum, denen Veldhues und Schumacher bewusst ihre Unvertrautheit und Fremdheit zurückgeben. Da die Projektionen in der Regel begehbar sind, wird der Betrachter beim Durchwandern der Arbeit selbst zum bewegenden Moment. Landschaft, Natur und Architektur werden zu einem sinnlich erfahrbaren Raum.
WELTPRESSE Lichtprojektionen Am Kultur- und Stadthistorischen Museum und an der Liebfrauenkirche zeigen großformatige Lichtprojektionen den Bilderzyklus „Weltpresse“. Die projizierten Bilder und Texte entstammen den Tageszeitungen internationaler Großstädte. Ihrem eigentlichen Zusammenhang entrissen wird der ihnen eigene Wahrheitsgehalt fraglich.
29. April bis 04. Mai, 21.00 – 24.00 Uhr, Kultur- und Stadthistorisches Museum 5. bis 21. Mai, 21.00 – 24.00 Uhr, Liebfrauenkirche
Knowbotic Research (Christian Hübler, Yvonne Wilhelm, Alexander Tuchacek) und Peter Sandbichler, Zürich
Bevor Knowbotic Research gemeinsam mit Peter Kogler und Ruth Schnell 1999 den österreichischen Pavillon der Biennale in Venedig bespielten, erhielten sie den August-Seelig-Förderpreis des Wilhelm Lehmbruck Museums. Seit 1998 hat die Gruppe in Zürich eine Professur am Studienbereich Neue Medien der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGKZ). Unter dem Namen Knowbotic Research arbeiten seit 1991 Christian Hübler, Yvonne Wilhelm und Alexander Tuchacek zusammen in Ateliers in Zürich und Köln. Knowbotic Research hat international Arbeiten im Rahmen von führenden Ausstellungen zur Medienkunst gezeigt, z.B. Hongkong Videotage, Seoul Biennale, New Museum NY, Insitiuto Cultural Barcelona, ZKM Karlsruhe. Verschiedene Projekte erhielten renommierte Kunstpreise wie z.B. den Hermann Claasen Preis für Medienkunst 2001, den internationalen Medien-Kunst Award des ZKM 1997 und 2000 sowie den Prix Arts Electronica, Golden Nica 1994 und 1998. Die Arbeit des Künstlerkollektivs umfasst interdisziplinäre Projekte in Bereichen von künstlicher Sprachsynthetisierung, Mensch-Maschine-Schnittstellen und medialisierter Naturdarstellung. Die Gruppe produziert an den Schnittstellen zwischen Kunst, Medien und Gesellschaft. Themen wie Urbanität, die Konstruktion von Wissen, immaterielle Arbeit und Probleme der politischen Repräsentation werden in langfristig angelegten Projektreihen entwickelt.
Sei bereit! Tiger! Aktion, Skulptur und Medienprojekt Ein kleines Boot im Duisburger Innenhafen ist von Zeit zu Zeit in Aktion und für die Passanten sichtbar. Nicht zufällig erinnert es an die von dem Mythos der Unbesiegbarkeit umwehten amerikanischen Stealth-Bomber. Um sich der (Un-)Sichtbarkeit zu versichern, gibt ein Radargerät im Ludwigturm Auskunft über alle im Innenhafen zu ortenden Gegenstände und Bewegungen. Öffnungszeiten Ludwigturm, Fr/Sa 17.00 – 20.00 Uhr, So 15.00 – 19.00 Uhr
Danica Dakiæ, Sarajewo/Düsseldorf
Danica Dakiæ (geboren 1962 in Sarajewo) gilt als eine der aufstrebenden Künstlerinnen im internationalen Kunstgeschehen. Bereits im vergangenen Jahr zeigten Ruth Noack und Roger M. Buergel, der Leiter der 19. documenta, die im kommenden Jahr in Kassel stattfindet, sie in ihrer internationalen Ausstellung „Die Regierung“. Dakiæ zeigte ihre Arbeiten in Ausstellungen im Museum Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen (1998); in der Nationalgalerie Sarajevo; im Moderna Museet Stockholm; im Museum of Contemporary Art Sarajevo (1999); im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien; in der Kunstsammlung NRW Düsseldorf; in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin (2000); im O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz (2002); in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel; Teilnahme an der Internationalen Istanbul Biennale (2003), an der Gruppenausstellung „How do we want to be governed?“, Miami Art Centre, Artists Space, New York u.a., „Die Regierung“; „Handlungen, die Handlungen setzen“, Kunstraum der Universität Lüneburg (2004) sowie an der Skulptur-Biennale Münsterland (2005). Ihre Ausbildung an der Kunstakademie und der Universität der Künste in Belgrad führten sie Ende der 1980er Jahre an die Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Video und Film bei Nam June Paik studierte. Sie beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Frage nach Identität und Heimat. Dabei geht es insbesondere um die Spannungen zwischen kollektiven und individuellen Erfahrungen von Heimat und von Fremde.
Passing by interaktive Installation Ihre Premiere hat die erste interaktive Installation „Passing by“ von Danica Dakiæ in Duisburg. An einem der wohl ungewöhnlichsten Orte in der Innenstadt, auf der Landgerichtsstraße unmittelbar zwischen der Justizvollzugsanstalt, der Liebfrauenkirche und einer Schule erscheinen großformatige Bilder und Projektionen auf der Gefängnismauer in Korrespondenz zu eindringlichen Fragen körperloser Stimmen.
Projektionen: täglich, 21.00 – 24.00 Uhr, Klang: täglich, 16.00 – 24.00 Uhr
Werner Reiterer, Wien
Einem internationalen Publikum wurde Werner Reiterer durch seine zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in ganz Europa (u.a. London, Wien, Prag, Basel, Düsseldorf, Salzburg, Reykjavik) und den USA (Los Angeles, New York) bekannt. Werner Reiterer (geboren 1964 in Graz) lebt in Wien und gehört zu einem der bemerkenswertesten Vertreter der aktuellen Skulptur. In seinen Arbeiten, die ihren Ort vor allem im öffentlichen Stadtraum haben (u.a. 2000/2001 Bezirksgericht Salzburg, 2002 Fachschule „Marie-Curie“ Meran, 2004 Österreichischer Skulpturenpark Graz), finden fast unmerkliche Verschiebungen der Wirklichkeit statt. Oft nur minimale Abweichungen vom Alltäglichen behaupten neue mögliche Bedeutungen und verwickeln den Betrachter ungewollt in eine Kommunikation mit dem Ort wie z.B. 1997 bei der Landesberufsschule St. Pölten, als Reiterer eine Ecke des Gebäudes im wahrsten Sinne des Wortes untergrub und so einerseits eine völlig ungewohnte Art der Betrachtung ermöglichte und andererseits die standardisierte Perfektion der Architektur bloßlegte. Unmittelbar nach dem Studium der Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien 1988 folgten zahlreiche Preise und Stipendien, so z.B. der 1. Preis der Internationalen Biennale in Kairo (1992), Stipendien in Rom, New York (1993/1994) und London (1998/1999) sowie der Kunstpreis der Stadt Graz (2002) und der Preis des Landes Oberösterreich bei dem 28. Österreichischen Grafikwettbewerb (2003).
Talk Installation Mitten in der Fußgängerzone, auf der Königsstraße stehen zwei Telefonzellen, die zunächst ganz normal zu sein scheinen, dann jedoch eine Unterhaltung miteinander beginnen. Themen sind der Kontakt und die Erlebnisse mit Menschen, aber auch die eigene Geschichte und Beschaffenheit, aus der Sicht der Telefonzellen.
Täglich
stadtraum.org (Markus Ambach und Andrea Knobloch), Düsseldorf
stadtraum.org besteht als Projekt seit 2002 und bearbeitet das Themenfeld Kunst in öffentlichen Räumen bzw. im stadtgesellschaftlichen Kontext. Neben regelmäßigen Projektvorstellungen verschiedener ReferentInnen zum Themenfeld Stadt/ öffentlicher Raum/ künstlerische Produktion veranstaltet stadtraum.org in den eigenen Räumen in Düsseldorf auch externe Ereignisse wie Stadtführungen oder größere Diskussionsforen in anderen Instituten (Kunsthalle Düsseldorf, Kunstverein Düsseldorf). Die beiden künstlerischen Köpfe sind Markus Ambach (geboren 1963 in Darmstadt) und Andrea Knobloch (geboren 1961 in Hamburg) – beide ehemalige Meisterschüler und Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf. Knobloch und Ambach arbeiten sowohl diskursiv wie stadtpolitisch an einer Neubewertung von Kunst und öffentlichen Räumen. Im Zentrum steht die Forderung nach einer Kunstkommission für Düsseldorf mit Künstlerbeteiligung. Markus Ambach erhielt bereits 1994 den Förderpreis für bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf, zeigte zahlreiche Ausstellungen und Projekte im In- und Ausland und hat seit 2005 Lehraufträge an der Staatlichen Kunstakademie, Stuttgart, und der Universität der Künste, Berlin. Andrea Knobloch erhielt 1994 den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstler sowie den Förderpreis für Bildende Kunst des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft. Im Jahre 2002 wurde ihr das Projektstipendium der Kunststiftung NRW zuerkannt.
Duisburg - City of Hope Aktion und Skulptur Das Wünschen und Hoffen ist Thema der Aktion im öffentlichen Raum “Duisburg – City of Hope”. Für drei Wochen wird der “Lifesaver”-Brunnen von Niki de Saint Phalle zum Wunschbrunnen, in dessen blau sprudelnden Fluten eigens geprägte Münzen geworfen werden können, die der Wünschende zuvor an Orten der Hoffnung (Reisebüro, Casino, Brautmodengeschäft etc.) gewonnen, erworben oder als Geschenk mitgenommen hat.
Täglich, Special: 06. Mai, 12.00 Uhr, Ein Stadtrundgang mit Markus Ambach zu Orten des Hoffens und Wünschens inklusive Brautpaar.
LIGNA (Ole Frahm, Michael Hueners, Torsten Michaelsen), Hamburg
2003 mit dem Alternativen Medienpreis der Nürnberger Medienakademie und 2005 mit dem Prix Phonurgia Nova/SACEM 2005 Arles/Frankreich ausgezeichnet, hat die Gruppe LIGNA mit ihren performativen Radioarbeiten auf vielen Kunst-, Theater- und Radiofestivals in ganz Europa auf sich aufmerksam gemacht. Die Arbeiten waren u.a. in der Kunsthalle Friedericianum in Kassel, im Tanzquartier Wien, in der Innenstadt von Amsterdam, in Barcelona und in Polen zu sehen. Die freie Gruppe LIGNA existiert seit 1995, ihre Mitglieder sind die Medientheoretiker, Radio-, Theater- und Performancekünstler Ole Frahm, Michael Hueners und Torsten Michaelsen. LIGNA hat ihren Ausgangspunkt bei dem Freien Sender Kombinat (FSK), einem nicht-kommerziellen, lokalen Radio in Hamburg. In Shows, performativen Interventionen und Installationen untersucht LIGNA die Bedeutung der Zerstreuung als geistigen Zustand in unserer medialisierten Welt. Das Radio als Medium dient LIGNA dabei zur Entwicklung neuer, anderer Modelle der performativen Nutzung wie z.B. das „Radioballett“, in dem der öffentliche Raum zum Theater- und Performanceraum und der Zuschauer zum Akteur im Ensemble wird.
Übungen in abweichendem Glauben partizipative Performance Diese Radioperformance für 150 Teilnehmer findet an zwei Abenden jeweils in der Liebfrauenkirche statt und macht das Publikum zum unmittelbaren Teil der Performance. Mit Hilfe von Radiowellen und den typischen materiellen Handlungen des christlichen Glaubens wie sich hinknien oder bekreuzigen wird die Frage nach dem Glauben in unmittelbaren Bezug zu seinem Ort gesetzt.
29. April, 18.30 Uhr, Liebfrauenkirche, Eröffnung „PubliCity“ 13. Mai, 15.00 Uhr, Liebfrauenkirche
Martin Nachbar & Jochen Roller, Berlin
Die beiden Choreographen und Tänzer Martin Nachbar und Jochen Roller haben ihre vielbeachtete Stadterkundung „Mnemonic Nonstop“ als Uraufführung auf dem international renommierten Festival für zeitgenössische Kunst „Steirischer Herbst“ in Graz gezeigt. Martin Nachbar (geboren 1971) war Ende vergangenen Jahres Stipendiat der Kunststiftung NRW, wurde an der School for New Dance Development (Amsterdam), in New York und an P.A.R.T.S. (Brüssel) ausgebildet. Der Mitbegründer des Kollektivs B.D.C./Plischke arbeitete als Tänzer unter anderem mit Les Ballets C. de la B., Vera Mantero, Thomas Lehmen und dem Komponisten Benjamin Schweitzer zusammen. Jochen Roller, geboren 1971 in Berlin, begann eine Ballettausbildung, wandte sich dann aber den Studien der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen und am Laban Centre for Movement and Dance in London zu, die er mit dem Diplom bzw. dem Master of Arts im Fach Choreographie abschloss. Als künstlerischer Leiter produzierte Roller mehrfach in Kooperation mit Kampnagel Hamburg, u.a. „Around the world“, „Perform Performing“ und „Mindgarden“.
Mnemonic Nonstop interaktive Stadterkundung Eine Veranstaltung von PACT Zollverein Essen in Kooperation mit „PubliCity“ Die beiden Performer machen sich auf die Suche nach der Anatomie europäischer Städte. Straßenverläufe assoziieren sie mit Körperschläuchen, Begegnungen mit Erinnerungen, Beobachtungen mit Bildern; aus städtischen Raumordnungen werden choreographische Konzepte. Anhand aufeinander gelegter Karten navigieren die beiden Tänzer durch den städtischen Raum. „mnemonic nonstop“ ist eine neue Form der Stadterkundung: der Stadtplan von Gaziantep, der türkischen Partnerstadt Duisburgs, hilft beim Erspüren des Neuen.
6. Mai, 18.00 Uhr, Beginn der Performance bei PACT Zollverein 20.30 Uhr, Beginn der Stadterkundung in Duisburg
Für den Transfer und zum Besuch der gesamten Veranstaltung steht ein Shuttlebus zur Verfügung. Anmeldung unter 0203 283 64 28 erforderlich.

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