KRIEG UND FRIEDEN ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH

VON DER ERZFEINDSCHAFT ZUR ERBFREUNDSCHAFT / REFERENTEN: PROF. DR. HENRI MÉNUDIER, ROBERT HÉBRAS, FRITZ KÖRBER / SPRACHE: DEUTSCH UND FRANZÖSISCH

KRIEG UND FRIEDEN ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
Foto: Jürgen Donat
KRIEG UND FRIEDEN ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
Foto: Jürgen Donat

Stadtarchiv Duisburg


VORTRÄGE / DISKUSSIONEN / RUNDGÄNGE
Karmelplatz 5
47051 Duisburg
Eintritt: frei

Mittwoch, 07.03. 18:00 Uhr

Zwischen 1870 und 1945 gab es drei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich (1870-71, 1. und 2. Weltkrieg). Seit 1945 leben beide Länder friedlich miteinander. Also: 75 Jahre Krieg und nun 73 Jahre Frieden. Hass, Erzfeindschaft und Krieg, dann Versöhnung, Zusammenarbeit und Freundschaft. Prof. Dr. Henri Ménudier (Universität Sorbonne, Paris), der sich nicht nur wissenschaftlich mit dem deutsch-französischen Verhältnis beschäftigt, wird erklären, wie diese fundamentale Veränderung möglich war und was sie für Europa bedeutet. Er wird den friedlichen Einsatz der Menschen und der Zivilgesellschaft besonders hervorheben.

Während des Krieges, am 10. Juni 1944, wurde das Dorf Oradour-sur-Glane in der Nähe von Limoges im Südwesten Frankreichs verbrannt, und 642 Einwohner wurden umgebracht. Soldaten der Waffen SS (Division Das Reich) exekutierten die männlichen Bewohner des Dorfes. Robert Hébras, damals 17 Jahre alt, konnte überleben und sich retten. Seine Mutter und seine zwei Schwestern wurden in der Kirche verbrannt.

Mit 92 Jahren ist Robert Hébras heute der letzte der 6 Überlebenden dieses Massakers, dem Symbol der SS-Barbarei in Frankreich. Nach Jahren des Hasses ist er ein überzeugter Vorkämpfer der deutsch-französischen Freundschaft und des Friedens geworden, der auch gern mit Jugendlichen darüber spricht. Er tritt in vielen Veranstaltungen auf.

In den Ruinen von Oradour hat er die Staatspräsidenten Hollande und Macron sowie Bundespräsident Gauck geführt. Er wird über seine Erfahrungen berichten. Ein kurzer Dokumentarfilm macht das Publikum mit Oradour vertraut. Robert Hébras wird auch sein neuestes Buch signieren: „Meine Geschichte“, aus dem Französischen übertragen von Sina Klein (Paris, Elytel éditions, 2017, 144 Seiten) 

Die Versöhnung mit Oradour und die deutsch-französische Freundschaft waren möglich, weil Deutsche sich beispielhaft dafür engagiert haben. Fritz Körber, SPD, war Bürgermeister der Gemeinde Schwaig bei Nürnberg, Bezirksrat und stellv. Bezirkstagspräsident in Mittelfranken. Als Partnerschaftsbeauftragter des Bezirks mit der Region Limousin (sowie mit der polnischen Woidwodschaft Pommern) hat er sich erfolgreich um Oradour bemüht und Robert Hébras ist sein Freund geworden. Er wird darüber berichten, warum, wie und mit welchen Ergebnissen er sich engagiert hat. Sein Einsatz hat dazu beigetragen, dass das Trauma Oradour, ohne die schlimme Vergangenheit zu vergessen, überwunden wurde. Als Brückenbauer zwischen den Völkern ist er auch in der Ukraine tätig. 

Abschließend wird der französische Europaexperte Henri Ménudier von der Sorbonne Universität den Bogen von der Vergangenheit in das heutige Europa spannen. Ausgehend von der persönlichen Geschichte von Robert Hèbras wird über die Gefahren, die von einem zunehmenden Rechtspopulismus in Frankreich und Deutschland für die demokratischen Grundwerte und Grundprinzipien der EU ausgehen, diskutiert. 

Oradour und das deutsch-französische Verhältnis zeigen, dass aus Feinden Freunden werden können und dass "Nie wieder Krieg?" sich glaubhaft durchgesetzt hat. (Text: Prof. Dr. Henri Ménudier)

Veranstaltet von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Duisburg, Europe Direct und KdA. 

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