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Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen
Sparkasse Duisburg
Haniel

38. Duisburger Akzente

Umbrüche

10. - 26. März 2017

Nachdem in den letzten beiden Jahren die Themen der „Duisburger Akzente“ einen starken lokalen und regionalen Bezug aufwiesen (2015: HEIMAT und 2016: „NAH UND FERN – 300 Jahre Duisburger Hafen“) wenden sie sich 2017 einem „offenen“ Thema zu. Die 38. Duisburger Akzente rücken vom 10. - 26. März 2016 „UMBRÜCHE“ ins Zentrum ihres Programms.

Unter einem Umbruch wird gemeinhin eine grundlegende, oft überraschend schnell voranschreitende Veränderung u.a. im Bereich von Politik, Gesellschaft, Geschichte oder Technik verstanden. Eindeutig im Sinne einer wissenschaftlichen Definition ist der Begriff des „Umbruchs“ jedoch nicht.  Weder existieren statische Gesellschaftszustände, die nur gelegentlichen Phasen des „Umbruchs“ abgelöst werden, noch lässt sich das Phänomen eines „Umbruchs“ mit monokausalen  Erklärungsversuchen auf den Grund gehen.

Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an den Erzbischof von Mainz schickte, wollte er die Kirche nicht grundsätzlich  attackieren, sondern über Missstände aufklären und einen gelehrten Disput führen. Dennoch gilt dieser Tag heute als Beginn der Reformation und somit als Beginn eines Umbruchprozesses, der nicht allein die Sphäre der Religion betraf. Der Beginn der Reformation jährt sich 2017 zum 500. Mal.

Umbrüche haben eine Vorgeschichte. Bei der Reformation zählten dazu u.a. der Buchdruck, die wachsende Bedeutung der Städte und innerkirchliche Auseinandersetzungen. Und auch die russische Oktoberrevolution des Jahres 1917 lässt sich nicht nur begreifen als „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“, wie der Titel eines  zeitgenössischen Romans des Amerikaners John Reed suggerierte. Auch sie hatte ihren Vorlauf: Durch den Eintritt in den ersten Weltkrieg spitzten sich die enormen sozialen und ökonomischen Probleme Russlands zu. Nach der Februarrevolution 1917 dankte zwar der Zar ab, aber weder Krieg noch soziale Probleme  waren beendet.

Wie politische und gesellschaftliche Umbrüche betrachtet werden, hängt naturgemäß von der Perspektive des Betrachters ab. Das zeigt nicht nur die Oktoberrevolution. Als am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in Berlin auf protestierende Studenten geschossen wurde, führte das zur Politisierung der Studentenschaft und zu dem, was später „68er-Bewegung“ genannt wurde. In der Rückschau wurde sie lange positiv bewertet, u.a. weil sie die Anstoß zur Ökologiebewegung, Diskussion von Geschlechterrollen, Hochschulreformen, Entwicklung von Bürgerinitiativen beigetragen habe und nach der Erstarrung der fünfziger Jahre eine Modernisierung und Liberalisierung in Kultur und im alltäglichen gesellschaftlichen Leben ermöglicht habe.  Mit zunehmender Distanz gewannen konservativen Blickweisen an Bedeutung, die z.B. die „68er“ für zunehmenden Vandalismus in den Städten verantwortlich machten, oder Stimmen wie der damalige Chefkommentator der „Welt“, Torsten Krauel,  der 2001 den Studenten einen „antikulturelle(n) Zertrümmerungsfeldzug“ vorwarf und dabei Parallelen zu den Strategien links- und rechtsextremer Kräfte zum Ende der der Weimarer Republik entdeckt haben wollte.

Dass technologische Entwicklungen wie die „industrielle Revolution“ oder die „digitale Revolution“ zu Umbrüchen im Gefüge der Gesellschaften und selbst internationaler Beziehungen geführt haben und weiterhin führen werden, gilt als heute als unbestritten. Diskutiert werden kann, inwieweit technologische Umbrüche und ihre Folgen – und nicht nur politische und religiöse Auseinandersetzungen oder klimatische Verschiebungen - für die weltweit steigenden Flüchtlingszahlen verantwortlich sind. Für die Flüchtlinge selbst, mittlerweile über 65 Millionen, ist die Flucht auf jeden Fall ein Umbruch, der das eigene Leben bedrohen und Familie, Besitz, Hoffnungen  und Werte zerstörten kann.

Auch das alltägliche Leben ist nicht frei von tiefgreifenden Veränderungen. Zwar ist nicht jede Ehekrise und  jeder Jobwechsel ein Umbruch. Aber schon das frühe Christentum kennt den plötzlichen Wandel vom Christenverfolger Saulus zum Apostel Paulus. Man muss nicht nur auf historische Figuren wie Pastor Martin Niemöller verweisen, der U-Boot-Kommandant im ersten Weltkrieg und Sympathisant des aufkommenden Faschismus war und zum Widerstandskämpfer und Pazifisten wurde, um auf die Existenz von Umbrüchen in privaten Biographien zu erkennen.

In einem Sparten übergreifenden Kulturprogramm wollen die 38. Duisburger Akzente die Geschichten der verschiedenartigsten Umbrüche erzählen, nach ihren Hintergründen, Wirkungen und Bewertungen fragen.

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