DER UMGANG MIT DEN KRIEGSVERSEHRTEN DES ERSTEN WELTKRIEGS IN DUISBURG

VORTRAG VON DR. ANDREAS PILGER

Stadtarchiv Duisburg


VORTRĂ„GE / DISKUSSIONEN / RUNDGĂ„NGE
Karmelplatz 5
47051 Duisburg
Eintritt: frei

Donnerstag, 15.03. 18:00 Uhr

Von den 40.000 Soldaten aus Duisburg, die im Ersten Weltkrieg eingezogen wurden, fielen etwa 4.000 an der Ost- und vor allem Westfront. Etwa die gleiche Zahl an Soldaten wurde verwundet. An der Front war die Angst vor Verstümmelungen oftmals größer als die Angst vor dem Tod. Der Verlust von Gliedmaßen, der häufig vorkam – auch weil in den Lazaretten rasch amputiert wurde –, bedeutete für den einzelnen oft das Ende oder zumindest deutliche Einschränkungen der beruflichen Tätigkeit und für die Familie ein entsprechend großes Risiko des sozialen Abstiegs. Hinzu kamen traumatisierende psychische und emotionale Schädigungen, die den Soldaten eine Rückkehr in ihr altes Leben erschwerten. Der Vortrag geht der Frage nach, wie Verwaltung und Gesellschaft in Duisburg die sozialen Folgen des Krieges (auch mit den Möglichkeiten der modernen Medizin) zu bewältigen versuchten, diese aber zum Teil auch ideologisch verdrängten. Der Zweckoptimismus, mit dem die städtische Wohlfahrtspflege wiederholt die erfolgreiche Wiedereingliederung der Kriegsbeschädigten proklamierte, steht in einem Spannungsverhältnis zum Schicksal vieler ehemaliger Frontkämpfer, die gerade im Umfeld eines industriellen Arbeitsmarktes mit entsprechend harten körperlichen Anforderungen leicht auf der Strecke bleiben konnten.

Der Historiker Dr. Andreas Pilger leitet das Duisburger Stadtarchiv.